Themenschwerpunkt 4

Mündlichkeit in Wissenschaft und Beruf

Koordination:

Dr. Melanie Moll (FaDaF, Deutschkurse bei der Universität München e.V.): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

Prof. Dr. Winfried Thielmann (FaDaF, TU Chemnitz): Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 

„Mündlichkeit“ hat aufgeholt! Lange Zeit als Stiefkind neben der Schriftsprachlichkeit vernachlässigt, hat die gesprochene Sprache in der Wissenschaft in den letzten Jahren immer größere Bedeutung gewonnen, und auch als Lernziel ist der Erwerb mündlicher Handlungsfähigkeit im DaF/DaZ-Unterricht zwischenzeitlich anerkannt. Ein Blick in Lehrwerke und in den Unterrichtsalltag zeigt allerdings, dass die Vermittlung von Strukturen der Mündlichkeit noch lange nicht zu einem selbstverständlichen Bestandteil von Curricula und Unterrichtskonzeptionen geworden ist. Im traditionellen Fremdsprachenunterricht sind diskursive Sequenzen meist immer noch spielerisches Beiwerk („So, jetzt machen wir mal Partnerarbeit und wenden an, was wir gelernt haben.“), und auch die Lernenden reklamieren, man möge doch bitte schnell wieder zum „richtigen und ernsthaften“ Unterricht (sprich: Grammatik, lesen und schreiben) übergehen. So setzt sich das illokutive Paradoxon des Fremdsprachenunterrichts (Rehbein) fort: Wenn überhaupt gesprochen wird, geht es um das Sprachprodukt, nicht aber darum, sprachlich handelnd beim Hörer etwas zu erreichen. Wer als Lehrkraft einen Schritt weiter gehen möchte und sowohl charakteristische Strukturen als auch Funktionen von Mündlichkeit zu einem festen Bestandteil des Lehr-Lern-Diskurses machen möchte, fühlt sich – mangels Materials und curricularer Konzepte – häufig noch allein gelassen.

Umso wichtiger ist es, die jüngeren und jüngsten empirischen und praxisbezogenen Arbeiten zur Kenntnis zu nehmen und ihre Bedeutung für die Vermittlung des Deutschen als Fremd- und Zweitsprache zu diskutieren. Im Mittelpunkt des Themenschwerpunktes sollen deshalb empirische, sprachstrukturelle und sprachdidaktische Überlegungen stehen, mit dem Ziel, Konzepte und methodische Vorschläge für den Auf- und Ausbau mündlicher Sprachkompetenzen für Studium und Beruf zu entwickeln.

Erwünscht sind Beiträge zu den folgenden Fragestellungen: 

  • Welcher Bedarf besteht hinsichtlich mündlicher Kompetenzen in verschiedenen wissenschaftlichen und berufsbezogenen Kontexten? Wo und wie wird dieser Bedarf beschrieben? Gibt es bezüglich des Bedarfs fach-, institutions- und kulturspezifische Unterschiede?
  • Durch welche sprachlichen Charakteristika zeichnet sich Mündlichkeit (im Unterschied zur Schriftlichkeit) aus? Gibt es Unterschiede zwischen wissenschaftssprachlichen und berufssprachlichen Charakteristika und/oder im Vergleich zu den Herkunftssprachen?
  • Welche Korpora zur gesprochenen Sprache in Wissenschaft und Beruf gibt es und wie können diese für die Vermittlung mündlicher Kompetenzen genutzt werden?
  • Für den studienvorbereitenden, studienbegleitenden, berufsbezogenen Unterricht:
    • Wie werden Lernziele definiert und Kompetenzen beschrieben?
    • Welche Vermittlungskonzepte und Lehrmaterialien zur Vermittlung gesprochener Sprache gibt es?
    • Wie könnten diese für die Lehrwerksentwicklung und Lehrkräftequalifizierung genutzt werden?
    • Gibt es Kriterien zur Entwicklung und Evaluation solcher Konzepte und Materialien?

 

Interessierte Referent*innen werden gebeten, zwischen dem 18.01.2022 und 15.04.2022 ihre Vorschläge für einen Beitrag in diesem Themenschwerpunkt (insg. 60 Minuten, davon ca. 30-35 Minuten Vortrag + 25-30 Minuten Diskussionszeit) mit einem Abstract von ca. 20 Zeilen Länge ausschließlich über das Online-Formular einzureichen. Abstracts, die direkt an die Betreuer*innen des Themenschwerpunktes gehen, werden NICHT berücksichtigt! Die Betreuer*innen stehen aber natürlich gern für Rückfragen zur Verfügung.